Wohnen
Gleitender Neuwertfaktor 2027 steigt auf 29,1
Wie eine Wohngebäudeversicherung rechnet, hat Philipp im vergangenen Jahr hier erklärt. Dieser Beitrag liefert die Zahlen dazu: den neuen Faktor, die Entwicklung seit 2012 und einen Rechner für Ihren Wert 1914.
Ab dem 1. Januar 2027 gilt in der Wohngebäudeversicherung ein neuer gleitender Neuwertfaktor. Er steigt von 27,8 auf 29,1. In neueren Verträgen heißt dieselbe Stellschraube Anpassungsfaktor. Er steigt von 27,63 auf 28,95. Beide legen um rund 4,8 Prozent zu.
Die Werte für 2027
| Kennzahl | 2026 | 2027 |
|---|---|---|
| Gleitender Neuwertfaktor | 27,8 | 29,1 |
| Anpassungsfaktor | 27,63 | 28,95 |
| Baupreisindex (1914 = 100) | 2.263,6 | 2.377,1 |
Der gleitende Neuwertfaktor gehört zu älteren Verträgen nach den VGB 88, der Anpassungsfaktor zu Verträgen ab den VGB 2000. Welcher für Sie gilt, steht im Versicherungsschein oder auf der Beitragsrechnung. Der Baupreisindex rechnet den Wert 1914 in Euro um.
Stand: 5. Oktober 2026. Quellen: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Statistisches Bundesamt.
Die Entwicklung seit 2012
Das Diagramm zeigt jeden Jahreswert. Sie können die Entwicklung abspielen, ein Jahr mit dem Regler wählen und zwischen beiden Faktoren umschalten.
Warum es den Faktor gibt
Wenn ein Haus abbrennt, wird es zu den Preisen von heute wieder aufgebaut. Was der Bau damals gekostet hat, spielt dann keine Rolle mehr. Eine feste Versicherungssumme veraltet deshalb jedes Jahr ein Stück.
Die gleitende Neuwertversicherung löst das mit zwei Zahlen. Der Wert 1914 beschreibt Ihr Gebäude in einer Preisbasis, die sich nie mehr ändert. Der Faktor bringt Beitrag und Leistung jedes Jahr auf den aktuellen Stand. Drei Rechnungen zeigen, was das bedeutet.
Beispiel 1: Ein Haus ohne Anpassung
Ein Einfamilienhaus wurde 2013 für 280.000 € gebaut und mit genau dieser festen Summe versichert. 2027 entsteht ein Leitungswasserschaden von 120.000 €.
- Baukosten 2013: 280.000 €
- Wiederaufbau zum Preisstand 2027: 280.000 € ÷ 1.263,0 × 2.377,1 = 526.990 €
- Versichert sind damit nur noch 53,1 %
- Der Versicherer zahlt anteilig: 120.000 € × 53,1 % = 63.758 €
- Beim Eigentümer bleiben 56.242 €
Das ist Unterversicherung. Sie trifft auch bei kleinen Schäden, weil jeder Schaden im selben Verhältnis gekürzt wird.
Beispiel 2: So wird aus dem Wert 1914 der Beitrag
Dasselbe Haus hat einen Wert 1914 von rund 22.200 Mark. Der Beitragssatz ist hier als Beispiel mit 0,9 Promille angenommen.
- Grundbeitrag: 22.200 Mark × 0,9 ‰ = 19,98 Mark
- Beitrag 2026: 19,98 × 27,8 = 555,44 €
- Beitrag 2027: 19,98 × 29,1 = 581,42 €
- Mehrbeitrag im Jahr: 25,98 €
Dafür wächst der Schutz mit: Versichert ist 2027 ein Neubauwert von 527.716 € statt 502.519 € im Vorjahr (22.200 Mark × Baupreisindex ÷ 100). Die Beträge verstehen sich ohne Versicherungsteuer.
Beispiel 3: Woher die 4,77 Prozent kommen
Der Faktor wird nicht von einem Versicherer festgelegt. Er folgt aus zwei Reihen des Statistischen Bundesamts und wird vom GDV veröffentlicht.
- Baupreise für Wohngebäude: +5,01 %, Gewicht 80 % = 4,01
- Tariflöhne im Baugewerbe: +3,80 %, Gewicht 20 % = 0,76
- Anpassung für 2027: 4,77 %
Daraus ergibt sich: 27,63 × 1,0477 = 28,95 beim Anpassungsfaktor und 27,8 × 1,0477 = 29,1 beim gleitenden Neuwertfaktor, der auf eine Nachkommastelle gerundet wird.
Wert 1914 umrechnen
Der Rechner arbeitet in beide Richtungen: vom Neubauwert in Euro zum Wert 1914 und vom Wert 1914 aus Ihrem Versicherungsschein zurück in Euro. Im dritten Reiter sehen Sie, was der neue Faktor für Ihren Beitrag bedeutet.
Alle Faktoren seit 2012
| Jahr | Gleitender Neuwertfaktor | Anpassungsfaktor | Veränderung | Baupreisindex |
|---|---|---|---|---|
| 2027 | 29,1 | 28,95 | +4,8 % | 2.377,1 |
| 2026 | 27,8 | 27,63 | +4,2 % | 2.263,6 |
| 2025 | 26,7 | 26,51 | +2,5 % | 2.192,4 |
| 2024 | 26,1 | 25,87 | +7,5 % | 2.134,5 |
| 2023 | 24,3 | 24,06 | +14,7 % | 1.961,4 |
| 2022 | 21,2 | 20,97 | +5,5 % | 1.668,2 |
| 2021 | 20,1 | 19,87 | +2,6 % | 1.568,3 |
| 2020 | 19,6 | 19,36 | +4,4 % | 1.523,0 |
| 2019 | 18,8 | 18,55 | +3,8 % | 1.454,3 |
| 2018 | 18,1 | 17,87 | +2,8 % | 1.396,7 |
| 2017 | 17,6 | 17,39 | +2,1 % | 1.358,3 |
| 2016 | 17,2 | 17,03 | +1,7 % | 1.330,7 |
| 2015 | 16,9 | 16,74 | +1,8 % | 1.310,3 |
| 2014 | 16,6 | 16,45 | +2,3 % | 1.289,4 |
| 2013 | 16,2 | 16,08 | +2,7 % | 1.263,0 |
| 2012 | 15,8 | 15,66 | +2,3 % | 1.230,4 |
Die Veränderung bezieht sich auf den Anpassungsfaktor. Der Baupreisindex (1914 = 100) eines Versicherungsjahres bildet den Preisstand vom Mai des Vorjahres ab. Quellen: GDV, Statistisches Bundesamt.
Was Sie jetzt tun sollten
- Beitragsrechnung ansehen. Steigt Ihr Beitrag um rund 4,8 Prozent, ist das die Indexanpassung. Liegt die Erhöhung deutlich darüber, wurde meist zusätzlich der Beitragssatz angehoben. Dann lohnt ein Anruf bei uns.
- Wert 1914 prüfen, wenn sich am Haus etwas geändert hat. Anbau, ausgebautes Dach, Photovoltaik, Wärmepumpe oder eine hochwertige Sanierung erhöhen den Neubauwert. Der Faktor gleicht nur Preise aus, keine Umbauten.
- Der Anpassung nicht vorschnell widersprechen. Viele Bedingungen erlauben den Widerspruch. Der Beitrag bleibt dann stehen, die Versicherungssumme aber auch, und der Schutz vor Unterversicherung geht verloren.
Häufige Fragen
Was unterscheidet den gleitenden Neuwertfaktor vom Anpassungsfaktor?
Beide erfüllen dieselbe Aufgabe und steigen im selben Verhältnis. Der gleitende Neuwertfaktor gehört zu älteren Verträgen nach den VGB 88 und wird auf eine Nachkommastelle gerundet. Der Anpassungsfaktor gilt für Verträge ab den VGB 2000 und hat zwei Nachkommastellen. Deshalb liegen die Zahlen dicht beieinander, sind aber nicht gleich.
Kann ich wegen der Erhöhung kündigen?
Steigt der Beitrag nur durch den neuen Faktor, entsteht in der Regel kein Sonderkündigungsrecht, weil die Leistung im selben Zug mitwächst. Anders ist es, wenn der Versicherer zusätzlich den Beitragssatz anhebt. Maßgeblich sind die Bedingungen Ihres Vertrags.
Warum ausgerechnet 1914?
1914 ist das letzte Jahr mit stabilen Baupreisen vor dem Ersten Weltkrieg. Der Wert 1914 ist ein fiktiver Betrag in Goldmark, der sagt, was Ihr Haus damals gekostet hätte. Weil sich diese Basis nicht mehr ändert, lassen sich Gebäude aus allen Baujahren vergleichen.
Ist der Faktor bei allen Versicherern gleich?
Die meisten Versicherer übernehmen die Werte, die der GDV veröffentlicht. Entscheidend ist, was in Ihren Versicherungsbedingungen vereinbart ist.
Fragen dazu? Rufen Sie an.
Wir erklären es Ihnen in Ruhe — auch dann, wenn Sie nicht bei uns versichert sind.