Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenkassen 2026

Gesundheit

Die Wahrheit über Zusatzbeiträge – was 2026 wirklich zählt

Harald Deckow

Harald Deckow

Versicherungskaufmann (IHK), seit 1984 im Beruf

28. September 2026

Vor knapp zwei Jahren hat Philipp, damals im ersten Lehrjahr, hier über Zusatzbeiträge geschrieben. Sein Schlusssatz war: Nicht der Zusatzbeitrag entscheidet, das Gesamtpaket. Er hatte recht. Was sich seitdem geändert hat, sind die Zahlen – und eine Regel, die kaum jemand mitbekommen hat. Darum diesmal ich, im 43. Berufsjahr.

Was 2026 passiert ist

Der Zusatzbeitrag ist der Teil Ihres Krankenkassenbeitrags, den jede Kasse selbst festlegt. Der allgemeine Beitragssatz liegt bei allen gleich bei 14,6 Prozent. Darüber legt jede Kasse ihren eigenen Aufschlag.

Für 2026 hat das Bundesgesundheitsministerium den durchschnittlichen Zusatzbeitrag auf 2,9 Prozent festgesetzt. Die Wirklichkeit lag im Juni bereits bei 3,13 Prozent. Die Spanne reicht von 2,18 Prozent bei der günstigsten bis 4,39 Prozent bei der teuersten Kasse. Und einige Kassen haben mitten im Jahr erhöht – die IKK classic zum Beispiel zum 1. August auf 3,85 Prozent.

Für 2027 will die Bundesregierung die 2,9 Prozent halten. Dafür wurde im Juli ein Sparpaket beschlossen. Ob es reicht, entscheidet sich im Herbst, wenn die Kassen ihre Beiträge für das neue Jahr festlegen.

Die Rechnung, die kaum jemand macht

Nehmen wir 3.500 Euro brutto im Monat. Der Unterschied zwischen einer Kasse mit 2,6 Prozent und einer mit 3,1 Prozent – also ein halber Prozentpunkt – macht 17,50 Euro im Monat aus.

Davon zahlt Ihr Arbeitgeber die Hälfte.

Bei Ihnen kommen 8,75 Euro an. Im Jahr 105 Euro. Das ist der ganze Unterschied zwischen einer günstigen und einer eher teuren Kasse. Selbst wer von der teuersten zur günstigsten Kasse Deutschlands wechselt, spart bei diesem Gehalt rund 39 Euro im Monat.

Das ist kein Argument gegen das Wechseln. Es ist ein Argument dafür, vor dem Wechsel auf die andere Seite der Rechnung zu schauen: Eine professionelle Zahnreinigung kostet 80 bis 120 Euro. Drei Osteopathie-Sitzungen liegen bei 200 bis 350 Euro. Ein Bonusprogramm bringt je nach Kasse 100 bis 400 Euro im Jahr. Wer diese Leistungen nutzt, hat die 105 Euro schnell wieder eingespielt – oder verliert sie bei einer Kasse, die sie nicht zahlt.

Unten auf dieser Seite steht ein Rechner. Er zeigt Ihnen genau diese beiden Zeilen für Ihre Kasse: was der Unterschied kostet, und was auf der anderen Seite steht.

Warum wir mit zwei Kassen zusammenarbeiten – und mit welchen

Wir sind ein Versicherungsbüro, keine Krankenkasse und kein Vergleichsportal. Wir arbeiten seit dem vergangenen Jahr mit zwei gesetzlichen Kassen zusammen: der AOK PLUS und der Audi BKK. Das sagen wir offen, weil Sie es wissen sollten, bevor Sie unsere Empfehlung lesen.

Warum diese beiden? Nicht, weil sie die günstigsten sind. Die AOK PLUS liegt mit 3,1 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, die Audi BKK mit 2,6 Prozent darunter. Der Grund ist ein anderer: Wir haben beide Kassen in zwei Jahren mit unseren Kunden als sehr zuverlässig erlebt. Nicht bei den einfachen Fällen – die kann jede Kasse. Bei den verzwickten.

Ein Fall bei der AOK PLUS. Ein Kunde, seit Jahrzehnten in Deutschland, privat versichert, wollte in sein Heimatland zurückkehren – und vorher aus der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung, mit Kindern, die mitversichert werden mussten. Die Voraussetzungen für so einen Weg sind eng, und jeder Schritt musste in der richtigen Reihenfolge passieren: erst die Aufnahme, dann die Familienversicherung, dann der Wegzug. Bei der AOK PLUS ist dafür Susanne Langner zuständig. Sie sitzt als Kundenbetreuerin in derselben Straße wie wir, in der Promenadenstraße in Chemnitz. Der Fall wurde sauber umgesetzt – und unsere Kunden können zu ihr laufen.

Dazu kommt etwas, das nicht jeder weiß: Die AOK PLUS und der Münchener Verein sind seit vielen Jahren Kooperationspartner. Wer bei der AOK PLUS versichert ist und eine private Zusatzversicherung sucht, landet beim Münchener Verein – und damit bei dem Haus, das wir seit Jahrzehnten vertreten. Die AOK PLUS geht sogar noch einen Schritt weiter: Wer im Bonusprogramm Punkte sammelt, kann sie für die Beiträge dieser Zusatzversicherungen einsetzen. Für unsere Kunden heißt das: Kasse und Zusatzversicherung kommen aus einer Hand, und beide Ansprechpartner sitzen in derselben Straße.

Ein Fall bei der Audi BKK. Ein privat versichertes Kind beginnt sein Studium. Nach der Beratung fiel die Entscheidung für die studentische gesetzliche Krankenversicherung, dazu eine große Anwartschaft auf die private und eine Zahnzusatzversicherung. Das Problem: Die Zeit war knapp, die Universität verlangte eine Versicherungsbescheinigung – und welche Universität es wird, stand noch nicht fest, drei waren im Rennen. Die Audi BKK hat die Bescheinigung ausgestellt, bevor die Entscheidung gefallen war. Das war nicht selbstverständlich. Es war gute Arbeit.

Das sind die Momente, in denen sich eine Kasse von einer anderen unterscheidet. Nicht die 8,75 Euro.

Was die beiden Kassen bieten – Stand September 2026

Beide Kassen nennen ihre Extras auf ihren Websites. Wir haben sie dort nachgelesen und hier gegenübergestellt, damit Sie entscheiden können, welche zu Ihrem Leben passt. Verbindlich ist immer die aktuelle Satzung der Kasse.

AOK PLUSAudi BKK
Zusatzbeitrag 20263,1 % (seit 2025 unverändert)2,6 % (2025: 2,4 %)
Bonusprogrammbis 200 € Geldprämie im Jahr – oder bis 400 €, wenn Sie die Punkte für Gesundheitsleistungen einsetzen (Fitnessstudio, Brille, Osteopathie, Zahnersatz, Zusatzversicherung). Kinder mit eigenem Konto, Punkte verfallen nichtAktivFit: 10 € je Maßnahme, bis 120 € im Jahr; Kinder bis 80 €. Auszahlung aufs Konto
Extra-Budget–GesundheitExtra: bis 200 € im Jahr, auch für jedes mitversicherte Familienmitglied
Zahnreinigungbis 40 € im Jahr ab 18; Kinder in fester Zahnspange bis 50 € je Halbjahrbis 60 € im Jahr (zwei Behandlungen à 30 €), aus dem Extra-Budget
Osteopathiedrei Behandlungen im Jahr, 90 % bis 60 € je Sitzung, bis 180 €; mit ärztlicher Bescheinigungvier Sitzungen à 30 €, bis 120 €, mit ärztlicher Empfehlung, aus dem Extra-Budget
SchwangerschaftSchwangerschaftPLUS: 500 € Budget für zusätzliche Untersuchungen, Medikamente, Online-Kurs, Kurs für die Begleitperson, Hebammen-Rufbereitschaft bis 250 €bis 200 € (Geburtsvorbereitung, Rufbereitschaft), aus dem Extra-Budget
Gesundheitskursezwei zertifizierte Kurse im Jahr kostenfrei per Gutschein, ohne Vorleistung; Familien mit Kind bis 10 zwei weiterebis 200 € für zwei Kurse
Reiseimpfungenalle empfohlenen Schutzimpfungenalle empfohlenen Reiseschutzimpfungen inkl. ärztlicher Beratung
Haut-Checkab 35 alle zwei Jahre kostenfreiab 15 Jahren
Für FamilienHaushaltshilfe bei Kindern bis 14, zusätzliche U10, U11, J2Kindervorsorge BKK Starke Kids, digitale Hebammenberatung
Private ZusatzversicherungKooperationspartner Münchener Verein; Beiträge über das Bonusprogramm erstattbarüber Partner der Kasse
Vor OrtGeschäftsstellen in Sachsen und Thüringen, Ansprechpartnerin in unserer StraßeBetriebskrankenkasse, für alle geöffnet; Kontakt über App, Portal, Telefon
Passt eher zuFamilien, Sportliche mit Fitnesstracker, Menschen, die den persönlichen Weg schätzenMenschen, die ihre Extras aktiv nutzen und mit digitalem Kontakt gut zurechtkommen

Die letzte Zeile ist unsere Einschätzung, keine Regel. Und zwei Hinweise zur Ehrlichkeit: Bei der Audi BKK teilen sich Zahnreinigung, Osteopathie und Schwangerschaft ein gemeinsames Budget von 200 Euro – wer alles ausschöpfen will, kann das nicht. Bei der AOK PLUS sind die Posten getrennt, dafür gibt es die 400 Euro Bonus nur, wenn Sie wirklich Punkte sammeln: 90 Euro davon kommen allein aus dem Fitnesstracking.

Wechseln: die Regeln, und die eine, die neu ist

Bindung: Nach einem Wechsel bleiben Sie zwölf Monate bei der neuen Kasse.
Kündigungsfrist: Zwei volle Monate zum Monatsende. Wer im Oktober kündigt, ist ab 1. Januar bei der neuen Kasse.
Sonderkündigung: Erhöht Ihre Kasse den Zusatzbeitrag, dürfen Sie sofort wechseln – auch innerhalb der zwölf Monate. Die Frist: bis zum Ende des Monats, in dem der neue Beitrag zum ersten Mal gilt. Den erhöhten Beitrag zahlen Sie bis zum Austritt trotzdem.
Sie müssen nicht selbst kündigen. Die neue Kasse erledigt das elektronisch. Sie füllen einen Mitgliedsantrag aus, der Rest läuft.
Vorsicht bei Wahltarifen: Ein Wahltarif zum Krankengeld bindet drei Jahre. Das wird oft übersehen.

Und das ist neu: Seit dem 30. Juli 2026 muss Ihre Kasse Sie nicht mehr per Brief über eine Erhöhung informieren. Diese Pflicht wurde mit dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz gestrichen. Der Bundesgesundheitsminister hat angekündigt, sie wieder einzuführen – beschlossen ist das nicht. Bis dahin gilt: Wer die Erhöhung erst auf der Gehaltsabrechnung bemerkt, hat die Frist für die Sonderkündigung möglicherweise schon verpasst.

Was der Unterschied wirklich kostet

Tragen Sie Ihre Kasse und Ihr Bruttogehalt ein. Der Rechner zeigt Ihnen, was der Unterschied zur AOK PLUS und zur Audi BKK im Monat kostet – oder spart – und was Sie an Extras dafür bekommen. Beide Ergebnisse stehen nebeneinander, auch wenn eines davon ein Minus ist.

Wenn Sie danach reden möchten: 0371 666 52370. Oder Sie kommen vorbei. Frau Langner sitzt ein paar Häuser weiter.

Fragen dazu? Rufen Sie an.

Wir erklären es Ihnen in Ruhe — auch dann, wenn Sie nicht bei uns versichert sind.